
Wer einen Stabmattenzaun im Garten hat, meint es oft gut - und ahnt nicht, dass er für Igel zur tödlichen Falle werden kann. Darauf macht Daniela Sommer vom Verein Igel in Not Selm e.V. aufmerksam. Die kleinen Tiere versuchen, sich durch die Metallstäbe von Garten zu Garten zu zwängen. Dabei bleiben sie mit den Schultern stecken. Wegen ihrer Stacheln können sie anatomisch bedingt nicht zurück. Was folgt, ist ein stilles Leiden - denn Igel schreien nicht.
„Es ist ein stilles Sterben, es ist ein stilles Leiden." - Daniela Sommer, Igel in Not Selm e.V.
TÖDLICHE FALLE STABMATTENZAUN
Stabmattenzäune sind gerade und engmaschige Metallgitterzäune, die in vielen Gärten als Einfriedung eingesetzt werden. Für Igel, die auf ihrer nächtlichen Nahrungssuche weite Strecken zurücklegen und dabei viele Gärten durchqueren, sind sie ein ernstes Hindernis. Viele Tiere werden nie gefunden - sie verenden unbemerkt und qualvoll. Dabei ist die Lösung denkbar einfach: Einen Stab alle paar Meter herausschneiden genügt. Dem Igel reicht ein Durchgang von gerade einmal zehn mal zehn Zentimetern. Wer das nicht möchte, kann den Zaun auch einfach nicht ganz bis auf den Boden setzen - auch das schafft bereits genug Platz für den kleinen Igel.
GEFAHR DURCH GARTENGERÄTE
Neben Zäunen werden auch Gartengeräte für Igel immer häufiger zum Problem. Rasentrimmer und Fadenschneider - also Geräte, die mit einer rotierenden Schnur oder Klinge Gras und Unkraut abmähen - verletzen Igel schwer, die sich im hohen Gras, unter Büschen oder Hecken versteckt haben. Auch Schlagfallen, also Fallen mit einem Schlagmechanismus, können ungewollt Igel treffen. Besonders der Mähroboter ist ein wachsendes Problem: Die Anzahl der Verletzungen nimmt laut dem Verein mit jedem Jahr zu. Das Tückische: Ein verletzter Igel schreit nicht und wartet nicht auf Hilfe. Er schleppt sich ins Gebüsch und verendet dort unbemerkt. Wer einen Mähroboter nutzt, sollte ihn deshalb nur tagsüber und möglichst beaufsichtigt fahren lassen. Außerdem empfiehlt der Verein, Büsche, Hecken und hohes Gras vorher abzugehen und darunter nachzuschauen, bevor Gartengeräte zum Einsatz kommen.
SO ERKENNST DU IGEL IN NOT
Nicht jeder Igel, den man sieht, braucht sofort Hilfe. Aber es gibt klare Zeichen, die auf einen hilfsbedürftigen Igel hinweisen: Wer tagsüber, bei Frost oder Schnee oder bei starker Hitze auf einer Freifläche unterwegs ist, ist sehr wahrscheinlich krank oder geschwächt. Auch ein schwankender oder torkelnder Gang, Fliegen rund um das Tier, Lähmungen, Beulen am Körper oder ein schmaler, langgezogener Körperbau sind Warnsignale - gesunde Igel haben eine birnenförmige, rundliche Figur. Ein weiteres Zeichen ist die sogenannte „Rotznase": Bläschen oder Ausfluss beim Atmen deuten auf eine Erkrankung der Atemwege hin. Wer einen solchen Igel findet, sollte ihn vorsichtig mit einem Handtuch oder Handschuhen aufnehmen, in eine mit Zeitungspapier ausgelegte Kiste legen und unbedingt vor Fliegen schützen. Fühlt sich der Igel kälter an als die eigene Hand, kann eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen helfen. Danach gilt: Unbedingt den Verein oder einen igelkundigen Tierarzt kontaktieren.
VEREIN UND KONTAKT
Igel in Not Selm e.V. wurde im Februar 2023 von erfahrenen Igelretterinnen und -rettern gegründet, die vollständig ehrenamtlich arbeiten. Ihr Ziel ist es, verletzte und kranke Igel zu retten, zu versorgen und wieder auszuwildern - und gleichzeitig die Menschen in der Region für die Not des Igels zu sensibilisieren. Der heimische Braunbrustigel steht bereits auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Säugetiere. Das bedeutet: Die Art ist noch nicht akut vom Aussterben bedroht, aber die Bestände gehen deutlich zurück - ein ernstes Warnsignal.
Wer einen hilfsbedürftigen Igel findet, kann sich rund um die Uhr per WhatsApp melden:
Notfallnummer: 0170 / 4602467
Kontakt: Daniela Sommer, Eichendorffstraße 9b, 59379 Selm
Wer den Verein finanziell unterstützen möchte:
Igel in Not Selm e.V.
IBAN: DE16 4416 0014 6671 0902 00
BIC: GENODEM1DOR
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