
Tablets und Smartphones gehören für viele Familien zum Alltag - auch für die Jüngsten. Doch genau das ist ein Problem: Bundesfamilienministerin Karin Prien warnt ausdrücklich vor zu langer Bildschirmzeit bei Kindern unter drei Jahren. Lange Monitorzeiten seien schädlich für die Hirnentwicklung von ganz jungen Kindern. Das Gehirn von Kleinkindern ist in dieser Phase noch in der Entwicklung - und braucht vor allem echte Reize: Bewegung, Sprache und sozialen Kontakt. Statt aktiv zu spielen, sitzen manche Kinder jedoch still vor dem Bildschirm - oft, um sie zu beruhigen. Gerade am Montagmorgen fällt Erzieherinnen und Erziehern in den Kitas auf, dass manche Kinder besonders ruhig und antriebslos sind. Wenn sie die Eltern darauf ansprechen, erfahren sie häufig: Die Kinder wurden am Wochenende mit Handy oder Tablet ruhiggestellt.
WAS KITAS IM KREIS COESFELD TUN
Die beiden großen Kita-Träger im Kreis Coesfeld - die katholische Kirche und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) - nehmen das Thema ernst. Die katholische Kirche setzt in ihren Einrichtungen bereits auf Aufklärung: Eltern werden gezielt informiert, warum aktives Spielen für kleine Kinder so wichtig ist und warum der Bildschirm dabei keine Rolle spielen sollte. Erzieherinnen und Erzieher sprechen Eltern direkt an, wenn sie auffälliges Verhalten bei den Kindern bemerken. Ziel ist es, Familien für das Thema zu sensibilisieren - ohne zu verurteilen, sondern mit Verständnis und klaren Informationen. Denn gerade ganz kleine Kinder brauchen das aktive Spiel, um sich gesund zu entwickeln.
FOLGEN IN DER KITA - DRK COESFELD BEOBACHTET VERÄNDERUNGEN
Auch beim DRK Kreisverband Coesfeld sieht man die Auswirkungen übermäßiger Bildschirmnutzung direkt in den Einrichtungen. Chef Christoph Schlütermann vom DRK Kreisverband Coesfeld beschreibt, was Erzieherinnen und Erzieher täglich erleben:
„Unsere Monitornutzungszeiten haben sich gewaltig nach oben entwickelt und leider macht diese Entwicklung auch nicht vor den Kleinsten Halt. Wir stellen schon fest, dass auch in den Kitas Kinder unkonzentriert sind, quengelig sind, auch nach Bildschirm verlangen und sich schnell ablenken lassen, wenn jemand ein Smartphone nutzt." - Christoph Schlütermann, DRK Kreisverband Coesfeld
Das DRK hat deshalb klare Konsequenzen gezogen: In allen seinen Einrichtungen gilt ein striktes Handyverbot - und zwar nicht nur für Mitarbeitende, sondern auch für Eltern. Schlütermann erklärt, warum das so wichtig ist:
„Wir wissen ja, dass die neurologische Entwicklung von Kleinkindern, auch die Gehirnentfaltung noch lange nicht abgeschlossen ist und dass gerade in dieser Phase diese digitale Nutzung von solchen Medien sehr schädlich sein kann. Das heißt, wir müssen sie davor bewahren, und das machen wir beispielsweise, indem bei uns in den Einrichtungen Handyverbot gilt für Mitarbeitende. Selbst Eltern dürfen bei uns in den Einrichtungen nicht ihr Handy nutzen und damit also die falschen Signale setzen für die Kinder." - Christoph Schlütermann, Chef des DRK für den Kreis Coesfeld
DRK SETZT AUF BEWEGUNG STATT BILDSCHIRM
Statt digitaler Medien setzt das DRK auf ein pädagogisches Konzept, das ganz ohne Bildschirme auskommt. Schlütermann fasst zusammen, wie sein Verband Kinder schützt:
„Wir schützen unsere Kinder am besten, indem wir sie mit unserer Erziehungsidee, die eben nicht aus digitalen Medien besteht, sondern ausschließlich aus Betreuung, pädagogische Angebote, viel frische Luft, Bewegung draußen und vor allen Dingen sozialen Miteinander zwischen Kindern und Erzieherinnen und Erziehern und Eltern. Damit tun wir 'ne Menge, um sie auch vor den Gefahren der digitalen Nutzung zu bewahren." - Christoph Schlütermann, Chef des DRK für den Kreis Coesfeld
GESETZLICHES VERBOT? MINISTERIN LÄSST ES OFFEN
Ein gesetzliches Bildschirmverbot für Kinder unter drei Jahren ist von Bundesfamilienministerin Karin Prien bislang nicht geplant. Ihr wichtigstes Mittel bleibt die Aufklärung - in Kitas und beim Kinderarzt. Im Sinne des Kinder- und Jugendschutzes schließt sie ein solches Verbot jedoch nicht grundsätzlich aus. Für Eltern im Kreis Coesfeld gilt schon jetzt: Die Kitas sind Ansprechpartner, wenn es um Fragen rund um Mediennutzung und gesunde Entwicklung geht.