
Ein unscheinbares Gras drängt sich zwischen die Maispflanzen - und lässt sich kaum wieder loswerden. Erdmandelgras heißt das Gras, das ursprünglich aus Afrika stammt und wärmere Regionen bevorzugt. Der Klimawandel spielt ihm in die Hände: Warme Sommer, hohe Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit begünstigen seine Ausbreitung. Im Kreis Coesfeld schlägt das Alarm bei Landwirten.
Die Situation im Kreis Coesfeld
In Dülmen taucht das Erdmandelgras schon seit einigen Jahren auf Feldern auf. Michael Uckelmann aus Hiddingsel, Sprecher der Landwirte im Kreis Coesfeld, beobachtet die Entwicklung mit Sorge.
„Das Erdmandelgras ist auf einigen Flächen im Dülmener Gebiet gefunden worden, jetzt auch schon seit einigen Jahren dort in einigen Flächen enthalten und breitet sich immer weiter aus", sagt Micheal Uckelmann. „Hintergrund dieses Erdmandelgrases ist es, dass im Boden kleine Mandeln sich befinden, über die sich das Gras dann vermehrt."
Genau diese Knöllchen - die sogenannten Erdmandeln - machen das Gras so schwer beherrschbar. Sie überleben viele Jahre im Boden und überstehen sogar Frost bis minus 15 Grad. Eine einzige Pflanze bildet bis zu 500 dieser Mandeln.
Wie das Gras von Feld zu Feld wandert
Das Erdmandelgras verbreitet sich nicht nur auf befallenen Flächen weiter - es springt auch auf neue Felder über. Der Weg: die Ackergeräte.
„Diese Mandeln finden sich dann auch an den Erdresten, die an unseren Ackergeräten sind, am Kartoffelroder, am Grubber, und werden darüber von Fläche zu Fläche weitergetragen und vermehren sich darüber", erklärt Michael Uckelmann.
Das macht die Ausbreitung besonders tückisch: Wer mit demselben Gerät mehrere Felder bearbeitet, trägt das Gras unwissentlich weiter.
Konkurrenz für Mais und Getreide
Wo das Erdmandelgras einmal Fuß gefasst hat, kämpft es den Kulturpflanzen Licht, Wasser und Nährstoffe weg.
„Da, wo es in den Flächen ist, ist es eine große Konkurrenz zu unseren anderen Früchten. Ob Mais, ob Getreide - werden dadurch deutlich unterdrückt. Und deswegen sind wir da in großer Sorge, dass sich dieses weiter ausbreiten wird und damit dort Ackerbau ganz schwierig wird", so Michael Uckelmann.
Wie ernst die Lage werden kann, zeigt ein Blick nach Niedersachsen, wo das Problem schon länger bekannt ist: Dort hat sich die befallene Fläche in nur fünf Jahren von rund 10.000 auf über 250.000 Hektar ausgeweitet.
Bekämpfung: Kaum Mittel, großer Aufwand
Wer hofft, das Erdmandelgras mit Herbiziden in den Griff zu bekommen, wird enttäuscht. Die Knöllchen sitzen tief im Boden - chemische Mittel erreichen sie kaum.
„Die Bekämpfung ist äußerst schwierig. Chemische Mittel funktionieren nur eingeschränkt, sodass, wenn einmal dieses Erdmandelgras in den Flächen enthalten ist, es wirklich schwierig oder bis gar nicht möglich ist, dieses wirklich im Schach zu halten beziehungsweise wieder loszuwerden", sagt Michael Uckelmann aus Hiddingsel, Sprecher der Landwirte im Kreis Coesfeld.
Auch mechanische, physikalische und biologische Maßnahmen zeigen bislang keine zuverlässige Wirkung. Als letzte Möglichkeit gilt die sogenannte Schwarzbrache: Das Feld bleibt mindestens fünf Jahre lang unbestellt - ohne Garantie auf Erfolg.
Flächenhygiene als einziger Ausweg
Was bleibt, ist konsequente Vorbeugung. Michael Uckelmann appelliert an alle Landwirte im Kreis: Wer befallene Flächen bearbeitet, muss seinen Maschinenpark anschließend gründlich reinigen.
„Deswegen ist eine Flächenhygiene sehr wichtig, dass wir dann, wenn wir solche Flächen bearbeiten, ganz penibel genau unseren Maschinenpark, die Grubber, den Kartoffelroder etc. reinigen, was ein riesengroßer Aufwand ist. Aber nur so lässt sich die Ausbreitung dieses Erdmandelgrases eindämmen."
Die vollständige Reinigung eines Kartoffelroders dauert laut betroffenen Landwirten bis zu zwei Tage. Ein Aufwand, den viele scheuen - mit fatalen Folgen für die Nachbarfelder.
Ausblick: Die Ausbreitung stoppen, bevor es zu spät ist
Uckelmann und seine Kollegen sehen die Entwicklung mit wachsender Sorge. Das Erdmandelgras hat im Dülmener Raum bereits Fuß gefasst - und die Gefahr, dass es sich weiter im Kreis ausbreitet, ist real. Solange keine wirksamen Bekämpfungsmittel zur Verfügung stehen, bleibt konsequente Maschinenhygiene die einzige Waffe der Landwirte.
Nicht das einzige Problem: Jakobskreuzkraut auf Wiesen und Weiden
Das Erdmandelgras ist nicht die einzige invasive Pflanze, die Landwirten im Kreis Coesfeld Sorgen macht. Michael Uckelmann nennt eine weitere Art, die zunehmend auf Grünflächen auftaucht.
„Ein Unkraut, was uns auch Bauchschmerzen macht, ist das Jakobskreuzkraut, was in unseren Wiesen und Weiden enthalten ist und was giftig für unsere Tiere ist. Und auch das breitet sich immer weiter aus. Und hier ist auch eine gezielte Bekämpfung notwendig", sagt Uckelmann. „Das ist allerdings einfacher machbar. Da wirken auch chemische Pflanzenschutzmittel. Aber es breitet sich auch mehr und mehr aus."
Im Gegensatz zum Erdmandelgras lässt sich das Jakobskreuzkraut also noch mit gezieltem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bekämpfen - wenn auch mit steigendem Aufwand.
