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KREIS: Milchlandwirte protestieren
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KREIS: Milchlandwirte protestieren

Milchlandwirte aus dem Kreis Coesfeld und dem Münsterland protestieren heute Nachmittag vor dem Discounter LIDL in Münster-Wolbeck gegen den Preissturz bei Milchprodukten.

Veröffentlicht: Freitag, 12.12.2025 06:24

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Nach der Blauzungenkrankheit geben die Kühe wieder mehr Milch, das sorgt für ein großes Angebot und das lässt die Preise purzeln. Discounter nutzen das aus, um die Molkereien zu erpressen, ärgert sich Milchviehhalterin Anna Korbeck aus Osterwick und unterstützt den Protest. Wenn ein Päckchen Butter teilweise nur 99 Cent kostet, sei das zu wenig, um die Kosten für die Tiere zu decken. Die Landwirte hoffen heute Nachmittag mit Kunden ins Gespräch zu kommen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Derzeit handeln die Molkereien die Lieferverträge mit den Supermärkten und Discountern neu aus. Die Landwirte sorgen sich, dass die aktuell niedrigen Milchpreise dabei die Grundlage sind. Das könnte Betriebe in Existenznot bringen.

Es gibt aber auch Kollegen und Kolleginnen wie Ute Tübing, die den Protest so nicht unterstützen. Die Milchbäuerin aus Coesfeld hält den Adressaten für falsch. So lägen die Ursachen der Milchkrise nicht beim Lebensmitteleinzelhandel – sondern in den Übermengen. Die zentrale Ursache der Krise sind die Mehrmengen am Markt, die den Milchpreis massiv unter Druck setzen. Der Lebensmitteleinzelhandel nutzt die niedrigen Preise im Kampf um Wettbewerbsanteile, aber er verursacht die Marktkrise nicht. Die Preissenkungen des Lebensmitteleinhandels folgen dem Preisverfall, der sich weit früher schon an den Börsen abgezeichnet hat, sagt auch der Bundesverband Deutsche Milchviehhalter. Wenn die Proteste sich auf den Handel richten, geraten die eigentlichen Lösungsansätze und Verantwortlichkeiten aus dem Blick der Öffentlichkeit und der Politik, meinen die Milchbauern. Dadurch würden Medien auf falsche Verantwortliche fokussieren, die politische Ebene verliere an akutem Handlungsdruck und wertvolle Zeit gehe verloren.

Für eine schnelle Lösung sei es besser den Druck dort aufzubauen, wo die entscheidenden Stellhebel liegen: in der Politik. Milchbauern, die den Bundesverband unterstützen setzen sich daher für die Aktivierung des in der GMO (Gemeinsame Marktorganisation) verankerten Freiwilligen Lieferverzichts gegen Entschädigung ein. Dieses Instrument sei rechtlich verankert, befristet nutzbar, technisch vorbereitet und sofort startklar – es müsse lediglich politisch aktiviert werden, heißt es. Seine marktentlastende Wirksamkeit habe es bereits in der Milchkrise 2016 bewiesen.

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