
Die Sprecherin der Grünen, Anne-Monika Spallek aus Billerbeck ist überwältigt von dem Wahlergebnis ihrer Partei. Die Grünen haben im Vergleich zur vergangenen Europawahl fast doppelt so viele Prozente erhalten. Anne-Monika Spallek überrascht das Ergebnis aber nicht. In den vergangenen Wochen waren Themen wie Umweltschutz und Klimawandel präsenter denn je. Das habe viele nochmal dazu bewegt, die Grünen zu wählen. Großen Anteil am Erfolg der Grünen hätten aber auch die jungen Menschen, sagt die Billerbeckerin. Seit Jahren hätten die Grünen bei den U18-Wahlen große Zustimmung von den Jugendlichen erhalten. Die sind mittlerweile in einem Alter, in dem sie wählen dürfen. Davon würden die Grünen ebenfalls intensiv profitieren.
Lange Gesichter gibt es dagegen bei der CDU und der SPD. Beide Volksparteien haben bei der Europawahl heftige Niederlagen einstecken müssen. Sie haben ordentlich an Wählergunst verloren. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann aus Havixbeck sagt, dass sich seine Partei mit der SPD in der Großen Koalition in den vergangenen Wochen und Monaten einfach nicht geschickt angestellt habe. Das sei ein Grund, weshalb die CDU so stark verloren hat. Gleichzeitig sei es aber auch schwierig, den allgemeinen Trend aufzuhalten: Schließlich gebe es mittlerweile nicht mehr, wie früher, Wahlsiege über 30 Prozent. Das Wahlverhalten und die Parteienlandschaft hätten sich mittlerweile zu stark verändert. Marc Henrichmann wittert aber für seine CDU in der Zukunft wieder mehr Chancen. Aktuell würden viele Wähler das Thema Klimaschutz intensiv in den Blick nehmen. Bei anderen Themen wie Arbeitsplatz-Sicherheit könnten aber beispielsweise nicht so sehr punkten wie die CDU. Sobald das Thema in Zukunft wieder an Relevanz gewinnt, könnte die CDU wieder besser darstehen. Sie sei als Volkspartei schlichtweg breiter aufgestellt.
Die SPD rund um André Stinka aus Dülmen verliert ebenfalls drastisch. Der Dülmener Politiker findet klare Gründe für die deutliche Wahlniederlage der SPD. Seine Partei hätte es versäumt, Themen wie die Grundrente oder die Sozialpolitik, die die SPD eigentlich ausmachen, zu verfolgen. Künftig müsse die SPD die Themen wieder mehr zuspitzen und sich dadurch klar von der CDU abgrenzen. Dazu gehöre auch die Aufgabe, passendes Personal dafür zu finden, wieder stärker bestimmte soziale Themen in den Blick zu nehmen.
Die FDP schaut mit gemischten Gefühlen auf ihr hochgerechnetes Europawahl-Ergebnis. Im Vergleich zur vergangenen Europawahl hat die FDP zwar ein wenig zugelegt. Aber im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 haben die Freien Demokraten klar verloren. FDP-Politiker Henning Höne aus Coesfeld sieht das große Manko der FDP darin, nicht genug auf das aktuell vorherrschende Thema beim Wahlkampf eingegangen zu sein. Umweltschutz wäre aktuell das Wichtigste für den Wähler, die FDP habe denen aber nicht aufgezeigt, was sie zu diesem Thema zu bieten hat. Das sei bei der Bundestagswahl vor gut anderthalb Jahren anders gewesen. Mit Themen wie der Digitalisierung sei der FDP damals mehr zugeschnitten gewesen.