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KREIS: Polizei stellt Unfallstatistik vor
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KREIS: Polizei stellt Unfallstatistik vor

Immer mehr Vergewaltigungen, durch die Decke schießende Telefon-Betrüge, sinkende Straßenkriminalität und extrem niedrige Wohnungs-Einbruchszahlen.Die Polizei im Kreis Coesfeld schaut mit gemischten Gefühlen auf das Jahr 2019 zurück.

Veröffentlicht: Montag, 02.03.2020 20:07

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Immer wieder hören wir von Familienmitgliedern, Freunden oder Bekannten schlimme Geschichten, die in unserem Wohnort passiert sind. Und wo viele von uns einfach nicht glauben können, dass es sowas in ihrer Nachbarschaft wirklich gibt. Gewalt- und Sexualverbrechen beispielsweise passieren aber leider immer wieder bei uns im Kreis Coesfeld. Und die Zahl der Vergewaltigungen hat sich 2019 hier im Kreis Coesfeld im Vergleich zum Vorjahr sogar verdoppelt. Über 30 Mal wurden - in fast allen Fällen - Frauen vergewaltigt. Das zeigen die Statistiken der Polizei bei uns im Kreis Coesfeld. Sie hat sie jetzt vorgestellt. Wie kommt es, dass sich die Zahlen verdoppelt haben? Das Team um Kreis-Hauptkriminalkommissar Guido Prause geht nicht davon aus, dass Täter tatsächlich insgesamt häufiger Frauen vergewaltigen, sondern nur, dass mittlerweile mehr Opfer zur Polizei gehen und Anzeige erstatten. Guido Prause: "Wir haben hier eine Verlagerung aus dem Dunkelfeld ins Hellfeld, weil wir über eine erhöhte Anzeigen-Bereitschaft auch mehr Anzeigen reinbekommen." Heißt also: Die Dunkelziffer, also die Zahl der Vergewaltigungen, von denen die Ermittler nichts erfahren, wird kleiner. Weil sich immer mehr Opfer trauen, ihre Peiniger anzuzeigen. Und dass das so ist, ist auch kein Wunder, sagt Guido Prause. "Es wird mehr gemeldet, dank der Öffentlichkeitswirkung. Und durch die anhaltende Diskussionen in der Gesellschaft über Sexualstraftaten haben wir eine höhere Bereitschaft der Opfer, sich bei der Polizei zu melden!" Auch über's Internet gibt es immer mehr Hinweise auf mögliche Vergewaltigungen. Oft handele es sich um Beziehungstaten. Übergriffe auf der Straße nehmen dagegen deutlich ab.


Eine andere Zahl ist ebenfalls erschreckend, vor allem für Eltern: In über 40 Fällen sind Kinder im vergangenen Jahr Opfer von Sexualdelikten geworden. Darunter ein Fall, bei dem sich ein Exhibitionist teilweise nackt vor einem Kind zeigte und 9 Fälle, bei denen Menschen hier im Kreis Coesfeld unter anderem kinderpornographische Inhalte besessen oder verbreitet haben. Die abgebildeten Kinder müssen dabei nicht zwangsläufig hier aus unserer Region stammen. Die Polizei versucht - wie bei den Vergewaltigungen - jetzt mehr über's Internet an die Täter heranzukommen und ist dabei zuversichtlich. Vergangenes Jahr schafften es die Ermittler nämlich, in mehr als vier von fünf Sexualstraftaten die Täter zu überführen.


Viele Straftaten, die bei uns im Kreis Coesfeld passieren, bekommt die Polizei immer besser in den Griff. Die Zahl der Wohnungseinbrüche oder die Kriminalität auf den Straßen bei uns im Kreis sind beispielsweise auf einem Rekord-Tiefstwert. Und unter anderem auch deswegen gehört der Kreis Coesfeld mittlerweile zu den sichersten Kreisen in ganz Nordrhein-Westfalen.


Ein Problem bekommt die Polizei bei uns im Kreis aber einfach nicht in den Griff. Und das sind Trick-Anrufe von Betrügern, die vor allem bei älteren Menschen bei uns im Kreis an und versuchen, an ihr Schmuck oder an ihr Erspartes heranzukommen. Die Zahl der Betrugs-Anrufe hat sich in den vergangenen fünf Jahren verachtfacht! Das zeigen die aktuellen Zahlen der Polizei im Kreis Coesfeld. Und die Maschen sind oft dieselben, sagt Guido Prause, der Leiter der Kriminalpolizei bei uns im Kreis. "Vor allem ältere Menschen lassen sich mit dem Enkeltrick, dem Handwerkertrick oder den falschen Polizeibeamten reinlegen. Vergangenes Jahr gab es 25 erfolgreiche Betrüger am Telefon, die am Ende an das Geld der Opfer kamen: Im Durchschnitt erbeuten die Täter nämlich um die 4.600 Euro, wenn sie erfolgreich sind.", sagt Guido Prause. Und das große Problem ist, dass die Polizei kaum Chancen hat, an die Täter ranzukommen.


Die Anrufe kommen nämlich meist aus dem Ausland - vorrangig aus der Türkei. Und die Anrufer sprechen ohne Akzent, schaffen es, mit cleveren Fragen die nötigen Details aus ihren Opfern herauszukitzeln. Und so schöpfen sie dann keinen Verdacht. Selbst auf dem Display steht oft eine deutsche Nummer oder sogar die Nummer der Polizei "110". Wie versucht die Polizei das Problem zu lösen? Sie kann zwar nicht verhindern, dass die Betrüger anrufen, sagt Guido Prause. Die Polizei geht aber in Arztpraxen von Hausärzten, weil die Polizei davon ausgeht, dass es hier viele ältere Menschen gibt, die die Ermittler ansprechen und sensibilisieren können. Zudem arbeitet die Polizei eng mit den Banken im Kreis Coesfeld zusammen: Bemerken Bank-Mitarbeiter, dass ältere Menschen hohe Geldsummen abheben oder überweisen wollen, informieren sie die Polizei, sollte ein Gespräch mit den potenziellen Opfern verdächtig sein. Zwar kann die Polizei immer noch nur einen Bruchteil der Telefon-Betrugsfälle aufklären. Nämlich nur gut jeden Fünfzigsten! Aber: Durch diese Maßnahmen schafft es die Polizei immer mehr, dass die älteren Menschen die Maschen durchschauen, einfach auflegen und die echte Polizei informieren.


Falls Sie es noch nicht getan haben, sollten Sie mit älteren Familienmitgliedern über dieses Thema sprechen und sie vor den Telefon-Betrügern warnen. Die Zahl der Betrugs-Anrufe nimmt im Kreis Coesfeld immer weiter zu. Es ist das größte Problem, gegen das die Polizei bei uns im Kreis Coesfeld aktuell ankämpft. Allein vergangenes Jahr gab es über 750 Fälle!


Der Kreis Coesfeld gehört zu den sichersten Kreisen in ganz Nordrhein-Westfalen. Das zeigen die aktuellen Zahlen der Polizei - sie hat sie jetzt vorgestellt. Seit Jahren sinkt vor allem die sogenannte "Straßenkriminalität" - also Diebstähle, Überfälle und Vandalismus auf öffentlichen Straßen und Wegen. Das ist ein wichtiger Faktor, denn: Die Straßenkriminalität ist ein wichtiger Anzeiger für das Sicherheitsgefühl der Menschen. Denn: Durch wenig Straßenkriminalität fühlen wir uns unterwegs durch den Kreis Coesfeld noch sicherer und wohler.


Sie kommen heute Abend von der Arbeit nach Hause und sind froh, dass alles so ist, wie Sie es zurückgelassen haben. Einbrecher haben bei uns immer seltener eine Schnitte. Nur etwas über 200 Einbrüche gab es kreisweit im vergangenen Jahr. 2016 waren es noch gut dreimal so viele. Immer mehr Menschen machen ihre Wohnungen im Kreis einbruchssicher und nutzen die Beratungsangebote der Polizei. Vor allem in den Städten Coesfeld, Dülmen und Lüdinghausen will die Polizei die Einbruchszahlen noch weiter senken. Überdurchschnittlich hoch sind die Einbruchszahlen außerdem noch in den autobahnnahen Gemeinden Ascheberg, Nottuln und Senden.


Die Polizei beobachtet zuguterletzt bei uns im Kreis Coesfeld immer wieder, dass Täter andere Menschen mit Messern bedrohen. Das zeigen die heute vorgestellten Zahlen der Kreis-Polizei. Deswegen gibt es bei der Polizei im Kreis jetzt eine neue Kartei, um solche Fälle zu dokumentieren. Sie gibt es seit vergangenem Jahr. Die Polizei will mit der neuen Kartei mehr Statistiken zum Nutzen von Messern als Drohmittel schaffen. Das ist wichtig, um den Umgang mit dieser Waffe zu analysieren.

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