
KREIS: Unbesetzte Schulleitungsstellen
Viermal ausgeschrieben, null Bewerbungen: Grundschulen finden schwieriger Schulleitungen. Die Bonhoeffer-Schule in Senden schreibt die Stelle der stellvertretenden Schulleitung zum vierten Mal aus - seit November letzten Jahres. Zuletzt gingen keine Bewerbungen ein. Die Bezirksregierung Münster bestätigt die Vakanz. Gewerkschaft und Lehrerverband sehen darin ein landesweites Problem.
Veröffentlicht: Montag, 27.07.2026 15:12
Kein Einzelfall
Was in Senden passiert, ist kein Ausnahmefall. Das betont Christian Pennekamp vom Verband Bildung und Erziehung (VBE).
„Der Fall der Bonhoeffer-Schule ist aus Sicht des VBE leider kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines landesweiten Problems. Seit Jahren beobachten wir, dass Leitungsstellen, insbesondere die Stellen der stellvertretenden Schulleitung, immer schwerer zu besetzen sind", sagt Christian Pennekamp.
„Die aktuellen Zahlen der Landesregierung zeigen, dass bereits landesweit jede fünfte Stelle einer stellvertretenden Schulleitung an Grundschulen unbesetzt ist."
Im Regierungsbezirk Münster sei die Lage besonders angespannt: „Aus zahlreichen Rückmeldungen von Schulen im Regierungsbezirk Münster wissen wir zudem, dass die Situation hier besonders angespannt ist", so Christian Pennekamp vom VBE.
Folgen für den Schulalltag
Unbesetzte Stellen haben direkte Folgen - für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler gleichermaßen. „Wenn solche Positionen unbesetzt bleiben, hat das ganz konkrete Auswirkungen auf den Schulalltag. Die Aufgaben verschwinden ja nicht, sondern werden von den verbleibenden Schulleitungen oder Kolleginnen und Kollegen mit übernommen. Das bedeutet mehr Belastung, weniger Zeit für Unterrichtsentwicklung, weniger Zeit für Personalführung und letztlich auch weniger Zeit für die Schülerinnen und Schüler", erklärt Christian Pennekamp vom VBE.
Eine aktuelle Schulleitungsumfrage des VBE bestätigt das Bild: Zeitmangel, Arbeitsbelastung und Personalknappheit gehören demnach zu den größten Herausforderungen an Schulen.
Warum bewirbt sich niemand?
Jan Holthusen von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht mehrere Ursachen - eine davon ist finanzieller Natur.
„Eine weitere Ursache dafür, dass insbesondere die stellvertretenden Schulleitungsstellen an Grundschulen selten besetzt werden, liegt darin, dass inzwischen die Besoldung von Grundschullehrkräften angepasst wurde, dass dabei aber das Abstandsgebot von Führungsaufgaben nicht mehr stark genug eingehalten wird, sodass es auch finanziell kaum attraktiv ist, sich diese Art der Mehrarbeit dann aufzubürden", sagt Jan Holthusen.
Hinzu kommt: Der Job ist komplexer geworden. „Schulen müssen inzwischen fast ständig erreichbar sein und als Schulleiter hat man inzwischen oftmals die Aufgaben wie die Leitung eines mittelständischen Unternehmens", so Jan Holthusen.
Die GEW warnt zudem vor einem Teufelskreis: „Die Folgen von diesen unbesetzten Stellen liegen dann darin, dass reguläre Lehrkräfte aus dem Unterricht rausgezogen werden müssen, um die Verwaltungsaufgaben durchzuführen, was dann zu einer Art Teufelskreis führt - denn durch weiteren Ausfall und Löcher, die gestopft werden müssen, wird die Aufgabe von Schulleitungen noch unattraktiver. Das führt zu einer Mangelverwaltung", erklärt Jan Holthusen von der GEW.
Was muss sich ändern?
Beide Verbände sind sich einig: Ohne strukturelle Veränderungen dreht sich der Teufelskreis weiter.
Die GEW fordert die Einhaltung des sogenannten Abstandsgebots - also einen spürbaren finanziellen Unterschied zwischen der Grundbesoldung und der Vergütung für Leitungsaufgaben. „Leitungsaufgaben müssen finanziell besser ausgestattet sein als das Einstiegsamt für Lehrkräfte, um die Aufgaben attraktiv zu machen. Dazu kommt, dass die Schulen im Optimalfall Schulverwaltungsassistenz bekommen oder auch Zeit für Leitungsaufgaben, die den Schulen eingeräumt wird", sagt Jan Holthusen von der GEW.
Der VBE sieht das zweite Besoldungspaket der Landesregierung als ersten Schritt - aber als nicht ausreichend. „Wer mehr Bewerberinnen und Bewerber für Leitungsaufgaben an Grundschulen gewinnen will, muss Verantwortung, Entlastung und Besoldung in ein vernünftiges Verhältnis bringen. Das zweite Besoldungspaket der Landesregierung ist dabei durchaus ein Schritt in die richtige Richtung. Es bleibt aber deutlich hinter dem zurück, was für echte Wertschätzung und angesichts der stetig steigenden Anforderungen an Grundschulen notwendig wäre", fordert Christian Pennekamp vom VBE.
Ausblick
Die Ausschreibung an der Bonhoeffer-Schule in Senden läuft noch bis Anfang August. Ob diesmal eine Bewerbung eingeht, lässt die Bezirksregierung Münster offen. Eine Prognose macht die Behörde nicht.