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Missbrauch in ev. Kirche
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Missbrauch in ev. Kirche

Die Chefin des ev. Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken ist erschüttert von den Ergebnissen einer neuen Studie, die unabhängige Forscher heute vorgestellt haben.

Veröffentlicht: Donnerstag, 25.01.2024 17:21

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Demnach ist die Zahl der Missbrauchsfälle mit über 2200 Opfern in der Evangelischen Kirche in Deutschland deutlich höher als bisher angenommen. Hinzu kommt wahrscheinlich eine hohe Dunkelziffer. Die Chefin des evangelischen Kirchenkreises, Superintendentin Susanne Falcke, ist erschüttert und sieht große Aufgaben für die Zukunft. Die Studie zeige, dass die evangelische Kirche die Menschen nicht genügend vor sexualisierter Gewalt geschützt hat und bei der Aufarbeitung und Unterstützung der Betroffenen versagt hat. Es gibt evangelische Besonderheiten, die sexualisierte Gewalt begünstigen und die Aufarbeitung erschweren, so eine Erkenntnis der Studie. Dazu gehören unter anderem der Föderalismus der Evangelischen Kirche, der unklare Zuständigkeiten begünstigt, der übermäßige Wunsch nach Harmonie, verschleierte Machtstrukturen sowie eine fehlende Konfliktkultur.


Der evangelische Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken setze sich seit Jahren mit dem Umgang sexualisierter Gewalt auseinander. Ein Schutzkonzept gehöre inzwischen zum Standard der evangelischen Kindertageseinrichtungen, Kirchengemeinden und aller Arbeitsbereiche (z.B. Jugendarbeit, Schulreferat), um Tätern und Täterinnen keinen Raum für Missbrauch zu lassen. Alle haupt- und ehrenamtlich Beschäftigten müssen ein Führungszeugnis vorlegen und an einer Präventionsschulung teilnehmen. Im Verdachtsfall gibt es einen standardisierten Notfallplan, nach dem vorgegangen wird.


Die Evangelische Kirche stehe nun vor der Aufgabe, die Ergebnisse der Studie sorgsam auszuwerten und Maßnahmen zu ergreifen, um Menschen konsequenter vor jeglicher Form sexualisierter Gewalt zu schützen. Die Aufgabe sei auch das Leid der Betroffenen deutlicher wahrzunehmen und anzuerkennen und sie zu unterstützen, sagt die Superintendentin.

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