
MÜNSTER: Wissenschaftler zur Rentenreform
Die Rente mit 63 steht vor dem Aus, Rentenbeiträge werden wohl steigen - eine Expertenkommission hat rund 30 Vorschläge für eine Rentenreform erarbeitet, mit denen sie das Rentensystem fit für die Zukunft machen will. Heute sollen sie offiziell an die Bundesregierung übergeben werden.
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Wirtschaftswissenschaftler Aloys Prinz von der Uni Münster sagt beispielsweise die Rente mit 63 sei von Anfang an problematisch gewesen und falsche Anreize gegeben. Die Lebenserwartungen steigen. Das könne nicht alles von der nachfolgenden Generation alleine aufgefangen werden. Vor allem weil es es für Menschen beispielsweise mit gesundheitlichen Problemen Sonderregeln geben soll, sei der Plan, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen, daher der richtige Ansatz. Und: andere Länder wie Schweden oder Dänemark hätten es schon vorgemacht. Gewerkschaften kritisieren dagegen, dass das die Realität vieler Betriebe ausblende. Die Rentenreform sieht zum Beispiel auch eine zusätzliche Kapitalrente vor. Dass das Sinn machen kann, habe Schweden als Modellgeber schon vorgemacht, sagt Wirtschaftswissenschaftler Aloys Prinz von der Uni Münster. Das Wichtige sei im Gegensatz zur nicht gut durchdachten Riester-Rente, dass die Mittel im Aktienmarkt angelegt werden können. Dennoch hätte er sich lieber eine verpflichtende Betriebsrente gewünscht. Die jetzigen Regelungen bei der Betriebsrente seien viel zu kompliziert und würden vor allem mittelständische Unternehmen davon abhalten eine solche Rente anzubieten. Dass mehr Menschen in Zukunft in die Rentenkasse einzahlen sollen, findet der Wirtschaftswissenschaftler Aloys Prinz von der Uni Münster dagegen gut - beispielsweise sollen Politiker selbst künftig in die gesetzliche Rente einzahlen. Selbstständige sollten dagegen anders als in den Vorschlägen vorgesehen, auch selbst entscheiden können. Denn die nächste Frage wäre sonst, welche Beitragssätze müssten Selbstständige zahlen? Vermutlich den vollen Betrag, das würde sehr, sehr teuer werden, kritisiert der Wirtschaftswissenschaftler und stellt in Frage, ob sich das letztendlich wirklich für die Rentenversicherung lohne. Dass auch Minijobs künftig Beiträge einzahlen sollen, sieht er ebenfalls kritisch. Solange das Einkommensteuerrecht nicht geändert ist keine gute Idee, sagt er. Alternativ seien Ehegatten- und Familiensplitting als Konzepte ja auch schon in der Diskussion. Insgesamt bieten die Reformvorschläge aber sehr gute Ansätze. Nicht alles werde wahrscheinlich so umgesetzt, aber es sei zumindest ein Anfang gemacht für eine wichtige Reform der Rentenversicherung. Der Bundestag muss letztendlich noch über alle Vorschläge entscheiden.